In den Mauern gelesen
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In der ersten Etage gab es vermutlich einst fünf dieser Schießscharten und verdeutlichen den im Mittelalter dominierenden Wehrbaucharakter. Die heutigen großen Fenster hatten vermutlich erst der Bischöfe von Lebus, Dietrich von Bülow, nach 1518, durch die dicken Mauern einschlagen lassen.
Zu Zeiten der Streles konnte man sich großzügige Fenster allein aus Sicherheitsgründen nicht leisten. Die zielstrebigen und erfolgreichen Askanier, nördlich der Spree, waren da nur eines der Probleme. Da waren ringsherum auch noch die widerspenstigen Wenden. Sie leisteten vielerorts Widerstand gegen Unterdrückung und Verachtung. Es gab später auch Bauernunruhen, und selbst die Adligen lagen sich häufig untereinander in Fehde. Und konnte man jedem der eigenen Gefolgsleute trauen? Das Mittelalter war eine raue und harte Zeit: „Wessen Brot er isst, dessen Lied er sing“.
Ein Versteck war besser als das Vertrauen zum Personal. Dabei ist auch noch zu bedenken, dass die einflussreichen Herren im Mittelalter nur „am Ball“ bleiben konnten, wenn sie bei allen wichtigen Zusammenkünften dabei waren. Das bedeutete, dass sie ständig und lange auf Reisen waren. Alles konnte und wollte man jedoch nicht mitnehmen. Also musste ein sicheres Versteck geschaffen werden, und ein solches haben wir nun in den Mauern der Burg entdeckt.
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Der geheime Raum konnte im Mittelalter nur vom alten Schloss in der zweiten Etage betreten werden. Durch eine schmale Tür in der Wandverkleidung, direkt am Fensterschacht, konnte man einen engen Gang nach rechts durch die Mauer betreten und dann einen kleinen dunklen Raum erreichen. Wegen der baugrundbedingten schweren Setzschäden musste jedoch die zweite Etage vom alten Schloss (Brauhaus) 1860 abgetragen werden. Der alte geheime Zugang wurde zugemauert, weil er wegen des nun niedriger verlaufenden Daches im Freien lag (Abb. 3).
Später, nach 1558, schlug man auf der Seite des neuen Schlosses einen zweiten Zugang zum Versteck (Abb. 4).
Einst verfügte das neue Schloss (Palas) über drei Wohnetagen mit einer Vielzahl von kleinen Zimmern. Bisher sind wir davon ausgegangen, dass die Bischöfe von Lebus, die die Herrschaft Beeskow/ Storkow seit 1518 in ihrem Besitz hatten, das neue Schloss errichten ließen. Für diese Annahme gab es aber bisher keinen konkreten Beweis. Die aus der Bauzeit stammenden Fensterhölzer verrieten uns nun die tatsächliche Bauzeit des neuen Schlosses. Das Holz wurde auf 1578 datiert, was bedeutet, dass die oberen Etagen nicht unter den Bischöfen von Lebus gebaut wurden. Bischof Dietrich von Bülow ließ zunächst die Burg Beeskow umbauen, was auch belegt ist. Dem letzten der katholischen Bischöfe, Johann VIII., von Horneburg, verblieb durch die Wirren der Reformation als Wohnsitz nur noch die Burg Storkow. Wegen der ausbleibenden Steuereinnahmen und seinem Lebensstil, war er mit 46.000 Gulden verschuldet. Er verstarb am 16. Juli 1555 hier in Storkow.
Er hatte sich der Alchemie verschrieben, doch Gold kam dabei nicht zu Stande.
Johann von Küstrin, Bruder des Brandenburger Kurfürsten, wurde der neue Herr über Beeskow und Storkow und baute nicht nur die Festungsstadt Küstrin, sondern u. a. auch die Festung Peitz aus. Das für die damaligen Verhältnisse recht imposante und kostenintensive dreigeschossige neue Schloss von Storkow, passte so gar nicht in die sonst einfache Baulandschaft. Vielleicht spielte schon wieder der Stützpunktcharakter wegen der großen Entfernungen zur Neumark jenseits der Oder eine Rolle; möglicherweise war es auch nur die reine Repräsentationssucht? Des Markgrafen Frau, Katharina von Braunschweig, soll sich oft hier in Storkow aufgehalten haben.
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Meiner Meinung nach war der dunkle Raum jetzt kein Versteck mehr, oder was denken Sie? Stand auf der anderen Seite ein Schrank, der auf der Rückseite noch eine zweite Tür verbarg?
Das neue Schloss hatte übrigens im 16. Jahrhundert alle Fenster der unteren Etage straßenseitig vergittert. In diesen unruhigen Zeiten war dies auch so üblich. Hofseitig konnte für die drei linken Fenster im Erdgeschoss eine Vergitterung nachgewiesen werden. Auch dafür muss es einen Grund gegeben haben.
Nach dem schweren Brand von 1775 musste das ausgebrannte Amtshaus und die gesamte 3. Etage des neuen Schlosses abgetragen werden.
Es war also einst ein recht großes Gebäude mit vielen Zimmern. Das deutet auf viele Bewohner mit sehr unterschiedlichen Aufgaben hin. Der eine gab Befehle und Anweisungen und die anderen hatten diese auszuführen. Jedoch brauchten alle ein „stilles Örtchen“. In den verbliebenen zwei Etagen waren es vier. Sie waren einst als Nischen mit Außenerkern ausgeführt. Heute sind sogar noch die kleinen Wandnischen für die Beleuchtungskerzen erhalten (Abb. 5). Zwei der Aborte stammen aus der Bauzeit um 1578. 1590 kamen zwei weitere hinzu.
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Am hofseitigen Übergang vom alten zum neuen Schloss in Höhe der ersten Etage ist heute noch ein Außenpodest erkennbar. Es hatte einst einen Zugang vom alten Schloss. Dort wurde von außen ein Kachelofen beheizt, ohne somit den Raum betreten zu müssen. Offensichtlich befand sich hier ein sensibler Wohnbereich, denn in dieser Wohnung befand sich eben auch der zweite Zugang zum Geheimversteck. Auf der rechten Seite des neuen Schlosses gab es damals zwei große Räume, die wahrscheinlich zu Repräsentationszwecken dienten. Später baute man im unteren Raum mittig eine große offene Küchenstelle mit einem kompakten Abzug ein. Diese Esse verlief durch den darüber liegenden zweiten großen Raum, der offenbar schon seine Funktion verloren hatte.
Ein von Außen zu beheizender Ofen war im Falle des Markgrafen von Küstrin tatsächlich standesgemäß. Es ist sogar die Bezeichnung „königliche Wohnung“ überliefert. Dieser Ofen war, wie gesagt, nicht die einzige Feuerstelle. Gleich unter der markgräflichen Wohnung befand sich in jener Zeit ein Kaminraum. Vielleicht sollte mit der warmen Luft gleichzeitig die Behaglichkeit in der herrschaftlichen Wohnung darüber noch gesteigert werden?
Bei den Sanierungsarbeiten kam jetzt dieser große Wandkamin ans Tageslicht (Abb. 6)
Später wurde jedoch der alte Kamin nicht mehr gebraucht und einfach zugemauert.
1745 wurde das alte Schloss zu einem Brauhaus umgebaut, und die oberen Etagen im neuen Schloss wurden nur noch als Abstell- und Lagerräume genutzt. Das waren noch Zeiten, als sogar der Brandenburger Kurfürst Joachim Friedrich an 18. Juli 1608 hier übernachtete.
Die Herrschaften wollten im 17. und 18. Jahrhundert aber keine einfachen und „langweiligen“ Gebäude aus der Renaissance. Sie bauten sich überall im ganzen Land prächtige Barockschlösser.
Für die Burg Storkow/ Mark blieb nun die Zeit stehen. Zu einer Amtsverwaltung unter Amtsrat Bütow degradiert, ereigneten sich im Folgenden noch weitere Brände sowie viele Umbauten und Abrisse.
Was wir bis heute dadurch nicht wissen konnten, ist nun mit dem Abriss des Dachstuhls vom alten Schloss (Brauhaus) aufgefallen. Die aus dem dunklen Burgkeller heraufführende Treppe verlief einst tatsächlich innerhalb des dicken Mauerwerks wie ein schmaler Schlauch bis hoch in die zweite Etage (Abb. 7). Aus Sicherheitsgründen hatte das alte Schloss im Mittelalter vermutlich gar keine normale Tür zum Burghof.
Damals war es zur effektiven Verteidigung sogar üblich, dass wichtige Gebäude nur über eine abnehmbare Holztreppe, die zum hochgelegenen führte, erreichbar waren.
Der Verlauf der Kellertreppe lässt gleichzeitig vermuten, dass sich der ehemalige Eingang zum alten Schloss oben links, am Zugang zum hölzernen Wehrgang der Südmauer, befunden haben muss.
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Abb. 7 Aus dem dunklen Burgkeller führte einst die schmale Treppe bis hoch in das ehemalige 2. Obergeschoss. Auch dort sind die Spuren der Zumauerung deutlich zu erkennen.
Gerade hier, am alten Schloss (Brauhaus) wird besonders deutlich, wie sehr der alte Wehrbau in den letzten Jahrhunderten gelitten hat. Von den einst vermutlich fünf mittelalterlichen Schlitzfenstern haben nur zwei die Zeiten überlebt. Die ehemals dicke Zwischenwand im alten Schloss wurde um 1520 mit drei großen Bogen durchbrochen. Die gesamte Hoffront des alten Schlosses wurde um 1870 völlig neu gestaltet.
Viele Bürger fragen mich täglich, was es denn Neues auf der Burg gibt. Die Fragen nach dem Baufortschritt sind, Dank der fleißigen Arbeit aller Beteiligten, gut zu beantworten. Die Fragen nach Neuigkeiten aus der Baugeschichte sind zwar spannend aber ebenso schwierig. Die Burg macht es uns nicht einfach, ihr auf die Spur ihrer alten Geheimnisse zu kommen.
Sie sehen ja selbst, die Bauarbeiten gehen zügig voran. Doch fast täglich muss uns die Burg auch weitere Geheimnisse aus ihrer 800-jährigen Bauzeit verraten.
Langsam bekommen wir Klarheit über die historischen Fakten, vieles ist jedoch noch unklar:
Hatte das neue Schloss wirklich keinen Vorgängerbau? Wo und wie verlief die alte West- und Nordmauer der Burg? War die Nordwand des alten Schlosses vielleicht sogar die alte Außenmauer der Burg? Wann wurde die erste deutsche Holzburg genau gebaut? Gab es tatsächlich hier in Storkow eine Slawische Burg und wo stand dann diese? Wann und wozu wurde einst der unterirdische Durchgang hofseitig im Keller des alten Schlosses durch die dicke Mauer geschlagen? Es bleibt spannend. Seien Sie gespannt auf meinen nächsten Beitrag.
Andreas Heising
Mitglied Burgförderverein








